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Herausforderung Zukunft

Alte Anekdoten klingen manchmal erstaunlich modern. "Ich brauche das Wohnzimmer", soll Konrad Zuse 1935 zu seinen Eltern gesagt haben. Dort begann er zu werkeln, zu konstruieren  und präsentierte sechs Jahre später den weltweit ersten programmierbaren Computer, den Z3. Die Grundlagen für die Informatik waren gelegt.


Heute steckt Informatik nicht nur im PC, sondern in fast allem, was wir im Alltag sonst noch so benutzen: im Mobiltelefon, im Autositz, in der Heizung, in der Kopfschmerztablette. Auch an den Hochschulen hat sich die Informatik - in den 1970er Jahren als „Orchideenfach“ gestartet - längst als große Disziplin im interdisziplinären Kanon mit den Fachstudiengängen wie Wirtschafts-, Ingenieur- und Geisteswissenschaften etabliert. Die Informatik stellt zweifelsohne einen Bereich ungeheurer Dynamik dar und ist mit innovativen Lösungen in immer neuen Anwendungsbereichen zu einem entscheidenden Motor der wirtschaftlichen Entwicklung geworden.


So viel Begeisterung darf allerdings den Blick auf die Realität nicht verstellen. Denn der Motor droht ins Stottern zu geraten. Ausgerechnet bei den „Digital Natives“, die wie selbstverständlich mit  Computern und Internet aufgewachsen sind, stößt die Informatik auf immer weniger Interesse. Nicht auszurottende Klischees über dröges Programmieren und blutleere, ungesellige Nerds mögen dafür mitverantwortlich sein. Tatsache ist aber auch, dass der Transfer von wissenschaftlichen Methoden und Werkzeugen der Informatik in die Unternehmen nicht in dem Maße gelingt wie es möglich und erforderlich wäre. Bleibt also am Ende nur die deprimierende Feststellung, dass die Informatik sich zu einer Art Dalai Lama, zu einem Herrscher ohne Reich, entwickelt?  Anerkannt, beliebt, aber irgendwie nirgends zu Hause?

 „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“ hat Willy Brandt einmal formuliert. Wir brauchen deshalb einen engen Schulterschluss von Forschung, Lehre, Ausbildung, Politik und Wirtschaft, um zum Ausdruck zu bringen: Informatik ist faszinierende Teamarbeit, verlangt eine ausgeprägte Kommunikationsfreude, besitzt ein hohes gestalterisches Potential, ist Problemlöser und Schrittmacher für Innovationen zugleich. Kurzum: Ohne Informationsverarbeitung und ohne die Informatik ist die moderne Gesellschaft undenkbar. Das sind doch schöne Aussichten.